der freier als

gesellschaftliches problem

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Mitkämpfer,

heute knüpfe ich an meinen letzten Text an und möchte auf Freier zu sprechen kommen. Der jahrelange negative Kontakt mit Freiern hat mich extrem geprägt – aber dazu vielleicht beim nächsten Mal mehr.

Ich möchte deutlich machen, dass eine gleichberechtigte Gesellschaft kritisch auf Freier schauen muss – vor allem, wenn der Kauf von Frauenkörpern als normal oder selbstverständlich gilt. Denn Freier nehmen Frauen nicht als ebenbürtig wahr, sondern als etwas, das zu funktionieren hat. Der Kauf sexueller Dienstleistungen verschlimmert diese Abwertung noch. Die Frau wird zum Gegenstand degradiert und auch dementsprechend behandelt. Die Grenzen des menschlichen Respekts verschwinden dabei praktisch völlig.

Sehr häufig kommt es zu Beleidigungen und zur Nichteinhaltung zuvor abgesprochener Regeln (zum Beispiel: kein Verkehr ohne Kondom – und dennoch versucht der Freier, das Kondom abzuziehen).

Das Tragische daran ist, dass Freier irgendwann anfangen, alle Frauen herablassend zu behandeln.

Mein kleines Beispiel:

Ich arbeitete in einem Saunaclub. Ein Freier, etwa 50 Jahre alt, setzte sich zu uns, unterhielt sich sehr höflich mit uns und blieb einige Stunden.

Irgendwann sah er auf die Uhr und meinte:
„Oh, so spät schon! Ich muss nach Hause, sonst macht meine Frau Stress – und dann muss ich sie wieder schlagen …!“

Ich weiß nicht, wie es euch geht, wenn ihr so etwas lest, aber an diesem Satz wird doch der Frauenhass deutlich, den viele Freier in sich tragen.

Täglich gehen etwa 1,2 Millionen Freier zu einer Prostituierten. Ich finde, das ist eine enorme Zahl – und erschreckend ist auch, wie normalisiert das Ganze ist.

Zum Schluss noch einige Freierzitate, die meine Gedanken unterstreichen:

„Ich arbeite als Koch in einem Restaurant. Die Gäste erwarten Service von mir – und genau das Gleiche erwarte ich von den Mädels auch.“
(Die Thekendame hatte ihn gebeten, auf dem Zimmer etwas sanfter vorzugehen, da sich alle über ihn beschwert hatten. Viele Frauen hatten Schmerzen im Intimbereich, nachdem sie mit ihm auf dem Zimmer waren.)

 

„Ich muss den Mädels doch zeigen, wo sie stehen!“
(Ständig angetrunkener Gast schmeißt mit Bierflaschen und Gläsern, wenn eine Frau ihn ablehnt. Kein Hausverbot, weil er Stammgast ist.)

 

 

Dieser Bericht von Sarah & von vielen weiteren Überlebenden zeigen:

Solange der Kauf von Frauenkörpern als normal gilt, wird echte Gleichberechtigung eine Illusion bleiben – und genau deshalb dürfen wir nicht aufhören, darüber zu sprechen.

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